IMPFUNG GEGEN COVID-19 BEI SCHILDDRÜSENPATIENTEN?

Im Zusammenhang mit den Impfungen gegen Covid-19 besteht bei Patienten weiterhin viel Verunsicherung und Aufklärungsbedarf. Wie sind hier Schilddrüsenerkrankungen, insbesondere Autoimmunerkrankungen und Schilddrüsenkarzinom einzuordnen?

Für die Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie Hashimoto Thyreoiditis oder Morbus Basedow (in Remission) gibt es bisher keine Hinweise auf eine Kontraindikation zur Impfung. Auch eine bestehende Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse spricht nicht gegen eine Verabreichung der Vakzine. Die deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) empfiehlt die Impfung ebenfalls für Patienten mit Schilddrüsenkarzinom, entsprechend angepasst an die jeweilige Therapie1.

Bei Patienten, die aufgrund einer Schilddrüsenerkrankung mit Steroiden therapiert werden, kann die Impfwirkung reduziert sein, eine Kontraindikation ergibt sich dadurch jedoch nicht2.

Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse sind mit weiteren Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ-1, Vitiligo, Rheuma oder Zöliakie assoziiert. Liegen neben der erkrankten Schilddrüse zusätzliche Diagnosen vor, sollten diese in die Entscheidung mit einfließen. Das Robert Koch-Institut (RKI) bewertet die derzeit zugelassenen Impfstoffe aufgrund ihrer Eigenschaften als Totimpfstoffe. Auf dieser Grundlage gibt das RKI an, dass keine Sicherheitsbedenken bestehen (Stand 11. Februar 2021)3. Das gilt auch für Patienten mit Immundefizienz. Unsicherheiten in der Bevölkerung entstanden hier unter anderem, weil Patienten mit Autoimmunerkrankungen von den bisherigen Zulassungsstudien ausgeschlossen waren. Nach der allgemeinen Nutzen-Risiko-Abwägung kommt das RKI jedoch zum Schluss, dass der Nutzen auch für diese Patientengruppe das Risiko bei Weitem überwiegt2.

Autoren:


Prof. Dr. Onno E. Janßen (Hamburg)
Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie (DDG)
Endokrinologikum Hamburg



und

Bild von Prof. Luster, einem Mitglied des Schilddrüsen-Expertenrats
Prof. Dr. Markus Luster (Marburg)
Facharzt für Nuklearmedizin
Universitätsklinikum Marburg


 

Quellen:

  1. Empfehlung der DGE: https://www.endokrinologie.net/aktuelles-details/endokrinologische-krankheitsbilder-covid-19.php (zuletzt abgerufen am 08.03.21)
  2. Wagner, N., Assmus, F., Arendt, G. et al. Impfen bei Immundefizienz - Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (IV) Impfen bei Autoimmunkrankheiten, bei anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen und unter immunmodulatorischer Therapie. Bundesgesundheitsbl 62, 494–515 (2019). https://doi.org/10.1007/s00103-019-02905-1
  3. Risikobewertung des RKI: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/COVID-19/COVID-19.html;jsessionid=B3D08EDCBCB96147AECB0C5CEDAF9C1B.internet092 (zuletzt abgerufen am 04.03.21)

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Letzte Aktualisierung: 31.05.2021