THYROID-LIT. 50940

Patients’ reaction to diagnosis with thyroid cancer or an indeterminate thyroid nodule.

Pitt, S.C.; Saucke, M.C.; Wendt, E.M.; Schneider, D.F.; Orne, J.; Macdonald, C.L.; Connor, N.P.; Sippel, R.S.

(Div. of Endocrine Surgery, Dept. of Surgery, University of Wisconsin School of Medicine and Public Health, Madison, Wisconsin; Wisconsin Surgical Outcomes Research Program, Dept. of Surgery, University of Wisconsin School of Medicine and Public Health, Madison, Wisconsin; Medical College of Wisconsin, Wauwatosa, Wisconsin; Dept. of Sociology, Drexel University, Philadelphia, Pennsylvania; Qualitative Health Research Consultants, LLC, Madison, Wisconsin; Div. of Otolaryngology-Head and Neck Surgery, Dept. of Surgery, University of Wisconsin School of Medicine and Public Health, Madison, Wisconsin, all USA)

Thyroid, 31: 580 – 588 (2021)

Die hier präsentierte Studie beschäftigt sich mit der Reaktion der Patienten nach zytologischer Diagnose eines papillären Schilddrüsenkarzinoms bzw. eines Schilddrüsenknotens unklarer Dignität.

Hierzu wurden mit 85 Patienten semistrukturierte Interviews durchgeführt. Die Patienten hatten zuvor eine Feinnadelpunktion zur diagnostischen Einordnung eines Schilddrüsenknotens erhalten, die Ergebnisse waren der Bethesda-Kategorie III – VI zugeordnet worden.

Typische Reaktionen der Patienten waren Schock, Angst und Furcht, sowie ein starker Impuls den Knoten möglichst bald chirurgisch anzugehen. Diese Reaktionen traten sowohl in der Gruppe mit nachgewiesenem Karzinom, als auch in der Gruppe mit unbestimmtem Zytologie-Befund auf.

Die meisten Patienten empfanden die Wartezeit zwischen Diagnose und Operation als belastend, vor allem wegen des Gefühls mit einem möglichen Tumor leben zu müssen, der sich potentiell ausbreiten könne.

Die Operation wird überwiegend als eine Art Reparaturmaßnahme verstanden, die eine Rückkehr zum normalen Leben ermöglicht und Angst bzw. Befürchtungen beseitigt. Die Risiken, die ein operativer Eingriff mit sich bringt werden dabei tendenziell unterschätzt bzw. ausgeblendet. Die ärztliche Aufklärung über das langsame Wachstum und die exzellente Prognose von papillären Schilddrüsenkarzinomen vermag offenbar nur einen Teil der Patienten zu beruhigen.

Die starken emotionalen Reaktionen der Patienten stehen der in vielen Leitlinien empfohlenen zurückhaltenderen Vorgehens­weise beim papillären Schilddrüsenkarzinom oder bei als unbestimmt klassifizierten Schilddrüsenknoten entgegen und erschweren deren Implementierung.

Letzte Aktualisierung: 04.10.2021